Ehrungen im Rahmen der Viszeralmedizin 2026

Wir freuen uns, besonders verdiente Persönlichkeiten unserer Fachgebiete im Rahmen der Viszeralmedizin 2026 zu ehren. Wir gratulieren allen Ehrenpreisträger*innen sehr herzlich zu dieser Auszeichnung und ihren herausragenden Lebenswerken.

Ismar Boas-Medaille der DGVS

Prof. Dr. rer. nat. Stefan Rose-John, Kiel

Mit der Verleihung der Ismar Boas-Medaille ehrt die DGVS einen Wissenschaftler, dessen Arbeiten unser Verständnis entzündlicher Erkrankungen grundlegend verändert und neue therapeutische Perspektiven eröffnet haben.

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Stefan Rose-John studierte Biologie an der Universität Heidelberg und promovierte dort 1982. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Michigan State University führte ihn sein wissenschaftlicher Weg über das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg,  die RWTH Aachen und die Johannes Gutenberg Universität Mainz schließlich an die Christian-Albrechts- Universität zu Kiel, wo er seit dem Jahr 2000 als Professor und Direktor des Biochemischen Instituts wirkte. Mit der Gründung und langjährigen Leitung des Sonderforschungsbereichs 877 „Proteolyse als regulatorisches Ereignis in der Pathophysiologie“
hat er zudem einen international sichtbaren Forschungsschwerpunkt geschaffen.

Sein wissenschaftliches Lebenswerk ist untrennbar mit der Erforschung von Zytokinen und ihrer Rolle bei Entzündung und Krebsentstehung verbunden. Von herausragender Bedeutung ist dabei seine Entdeckung des sogenannten Interleukin-6-Trans-Signaling. Prof. Rose-John konnte als Erster zeigen, dass Interleukin-6 über seinen löslichen Rezeptor nahezu alle Zellen des Körpers stimulieren kann und dass insbesondere dieser Signalweg die entzündungsfördernden Wirkungen von IL-6 vermittelt. Gleichzeitig gelang ihm der Nachweis, dass die klassische Signalübertragung über den membranständigen Rezeptor vor allem regenerative und protektive Funktionen erfüllt.

Diese Erkenntnisse haben das Verständnis der Zytokinbiologie nachhaltig geprägt und weltweit neue Forschungsfelder eröffnet. Noch bemerkenswerter ist jedoch die Konsequenz, mit der Prof. Rose-John seine Grundlagenforschung in klinische Anwendungen überführt hat. Mit der Entwicklung innovativer Designerproteine wie Hyper-IL-6 und insbesondere sgp130Fc schuf er Werkzeuge, um die biologischen Funktionen des IL-6-Trans-Signalwegs gezielt zu entschlüsseln. Aus dieser Forschung entstand schließlich ein neuartiger therapeutischer Ansatz. Das aus sgp130Fc entwickelte Medikament Olamkicept hemmt selektiv den entzündungsfördernden IL-6-Trans- Signalweg, ohne die physiologisch wichtigen Schutzfunktionen von IL-6 zu beeinträchtigen. Die erfolgreichen klinischen Studien bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen markieren einen seltenen und beeindruckenden Weg von der molekularen Entdeckung bis zur potenziellen Anwendung am Krankenbett.

Die internationale Bedeutung seiner Arbeiten spiegelt sich in zahlreichen Auszeichnungen wider, darunter die Ernst-Jung-Medaille für Medizin in Gold, die Wahl in die Academia Europaea sowie der William E. Paul Award der International Cytokine and Interferon Society. Sie alle würdigen einen Wissenschaftler, dessen Erkenntnisse weit über die Grenzen einzelner Fachgebiete hinausreichen.

Prof. Rose-John steht beispielhaft für wissenschaftliche Kreativität, methodische Exzellenz und die erfolgreiche Translation von Grundlagenforschung in die klinische Medizin. Mit seinen Arbeiten hat er nicht nur die Immunologie und Entzündungsforschung geprägt, sondern auch der Gastroenterologie neue Wege eröffnet.

Die DGVS verleiht ihm daher die Ismar Boas-Medaille in Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen und seines nachhaltigen Beitrags zum Verständnis und zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen.

 

Über den Namensgeber Ismar Boas

Ismar Boas (1858 – 1938), erster Spezialarzt für Magen- und Darmkrankheiten, trug durch seine Initiativen entscheidend zur frühen Etablierung und Weiterentwicklung des neuen Fachgebietes Gastroenterologie bei. Wissenschaftlich befasste er sich eingehend mit der Pathophysiologie der Magenerkrankungen und mit der Bedeutung der Stuhluntersuchung auf okkultes Blut. Als Jude musste Boas 1936 aus Deutschland emigrieren.

Thannhauser-Medaille der DGVS

Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. Wolfram H. Gerlich, Marburg

Mit der Verleihung der Thannhauser-Medaille ehrt die DGVS einen Wissenschaftler, dessen Arbeiten die moderne Hepatologie und Virologie über mehr als fünf Jahrzehnte geprägt haben: Professor Dr. Wolfram H. Gerlich.

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Seit Beginn seiner wissenschaftlichen Tätigkeit im Jahr 1970 widmete sich Wolfram Gerlich der Erforschung des Hepatitis-B-Virus. Seine Arbeiten haben unser Verständnis der Biologie, Diagnostik, Prävention und Übertragung dieses weltweit bedeutsamen Erregers grundlegend verändert und die Hepatitisforschung nachhaltig geprägt. Bereits in den frühen 1970er-Jahren gelangen ihm wegweisende Beiträge zur Charakterisierung des Hepatitis-B-Oberflächenantigens. Mit der damals neuen SDS-Gelelektrophorese lieferte er die erste zutreffende Proteinanalyse des HBsAg. Einen Meilenstein stellte die Entdeckung der PräS-Proteine dar, die er gemeinsam mit Werner Stibbe und Klaus-Hinrich Heermann beschrieb. Insbesondere die Identifizierung des großen Hüllproteins mit der PräS1-Domäne eröffnete ein neues Verständnis der Virusstruktur und legte die Grundlage für spätere Arbeiten zur Aufnahme des Virus in Leberzellen.

Zu den bedeutendsten Leistungen seines wissenschaftlichen Lebenswerks zählt die gemeinsam mit William Robinson gemachte Entdeckung eines kovalent an das 5‘-Ende der viralen DNA gebundenen Proteins. Diese Arbeit enthüllte erstmals den Mechanismus der proteinvermittelten DNA-Replikation bei Hepadnaviren und gehört zu den klassischen Grundlagenarbeiten der modernen Virologie.

Prof. Gerlich beschränkte sich jedoch nie auf die Grundlagenforschung. Sein Werk steht beispielhaft für die erfolgreiche Verbindung von wissenschaftlicher Erkenntnis und medizinischer Anwendung. Er war maßgeblich an der Entwicklung und Erprobung der ersten Hepatitis-B-Impfstoffe beteiligt und trug entscheidend dazu bei, deren Sicherheit und Wirksamkeit zu belegen. Millionen geimpfter Menschen weltweit profitieren bis heute von diesen Arbeiten.

Ebenso nachhaltig wirkte sein Engagement für die Diagnostik und Sicherheit von Blutprodukten. Über Jahrzehnte prägte er internationale Standards für Hepatitis-Virus-Marker und arbeitete eng mit nationalen und internationalen Referenzinstitutionen zusammen. Seine Untersuchungen zur Nukleinsäuretestung von Blutspenden führten zu einer deutlichen Verbesserung der Transfusionssicherheit und etablierten neue Maßstäbe für den Nachweis okkulter und früher Virusinfektionen. Damit leistete er einen unmittelbaren Beitrag zum Schutz unzähliger Patienten weltweit.

Als Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für Hepatitis B und D, Sprecher eines Sonderforschungsbereichs, DFG-Fachkollegiat, Berater nationaler Gremien und Mitbegründer der Gesellschaft für Virologie hat er darüber hinaus die wissenschaftliche Infrastruktur Deutschlands entscheidend mitgestaltet. Die zahlreichen Auszeichnungen seines Wirkens – von der Ehrendoktorwürde der Universität Lettlands bis zur Loeffler-Frosch-Medaille und dem Distinguished Award in Hepatitis B Research – spiegeln die internationale Anerkennung seines Lebenswerks wider.

Prof. Wolfram Gerlich steht beispielhaft für wissenschaftliche Exzellenz, Beharrlichkeit und erfolgreiche Translation. Mit seinen Entdeckungen hat er die Hepatitisforschung weltweit geprägt, die Prävention von Lebererkrankungen verbessert und die Sicherheit der medizinischen Versorgung nachhaltig gestärkt.

Die DGVS verleiht ihm daher die Thannhauser-Medaille in Anerkennung seines herausragenden wissenschaftlichen Lebenswerks und seiner außergewöhnlichen Verdienste um die Hepatologie.

 

Über den Namensgeber Siegfried Thannhauser

Siegfried Thannhauser (1885 – 1962) spezialisierte sich frühzeitig auf Stoffwechselkrankheiten. Er lieferte grundlegende Kenntnisse zum Purin- und Cholesterinmetabolismus sowie zur Entstehung der Gicht. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde Thannhauser im April 1934 als Ordinarius für Innere Medizin der Universität Freiburg entlassen. Er emigrierte 1935 in die USA und konnte an der Tufts University Boston seine biochemischen Arbeiten fortsetzen.

Endoscopy Award der Sektion Endoskopie

Prof. Dr. med. Hans Seifert, Oldenburg

Mit Prof. Dr. med. Hans Seifert ehrt die DGVS nicht nur einen herausragenden Gastroenterologen,
sondern einen der prägenden Wegbereiter der modernen interventionellen Endoskopie in Deutschland.

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Hans Seifert gehört zu jener Generation von Endoskopikerinnen, die unser Fach grundlegend verändert hat. Seine medizinische, aber auch private Heimat liegt in Hamburg. Dort wurde er in einer Zeit ausgebildet, als die therapeutische Endoskopie begann, die Grenzen zwischen Diagnostik und Therapie neu zu definieren. In der Hamburger Schule um Nib Soehendra entstand ein Geist von Innovation, Mut und Kreativität, der die deutsche Endoskopie bis heute prägt. Hans Seifert hat diesen Geist nicht nur erlebt – er hat ihn weitergetragen und lebt ihn bis heute fort.

Die vielleicht prägendste Phase seines wissenschaftlichen Wirkens begann jedoch in Frankfurt.

An der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt arbeitete er unter Wolfgang Caspary und entwickelte sich zu einem der führenden interventionellen Endoskopiker Deutschlands. Als leitender Oberarzt und Leiter der Endoskopie entstanden dort jene Arbeiten, die seinen Namen international bekannt machten.

Zu einer Zeit, als infizierte Pankreasnekrosen fast ausschließlich chirurgisch behandelt wurden und mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität verbunden waren, entwickelte Prof. Seifert gemeinsam mit seinen damaligen Kollegen neue endoskopische Behandlungsstrategien. Seine Arbeiten zur EUS-gesteuerten transluminalen endoskopischen Nekrosektomie gehören heute zu den Meilensteinen der interventionellen Endoskopie.

Was damals visionär erschien, hat die Behandlung der nekrotisierenden Pankreatitis weltweit verändert. Viele der Konzepte, die heute selbstverständlich erscheinen – die minimalinvasive Drainage, die transluminale Therapie komplexer Pankreasnekrosen sowie die enge Zusammenarbeit von Endoskopie, Radiologie und Chirurgie – wurden durch diese Pionierarbeiten entscheidend geprägt. Mit seinem Engagement für die NOTES-Technologie gehörte Hans Seifert zudem zu den frühen Protagonisten eines visionären Konzepts, aus dem zahlreiche neue minimalinvasive Techniken und transluminale Therapieverfahren hervorgingen, die die Entwicklung der modernen interventionellen Endoskopie nachhaltig beeinflusst haben.

Hans Seifert war dabei nie jemand, der Innovation um ihrer selbst willen betrieb. Sein Antrieb war immer die Frage: Wie können wir unseren Patienten eine bessere, schonendere und effektivere Behandlung ermöglichen?

2001 wechselte er nach Oldenburg und übernahm die Leitung der Gastroenterologie und Endoskopie am Klinikum Oldenburg. Dort baute er über fast zwei Jahrzehnte eine Klinik auf, die weit über die Region hinaus Anerkennung fand. Im Laufe der Jahre wurde Hans Seifert dabei nicht nur zum Innovator und Wissenschaftler, sondern auch zu einem prägenden Lehrer unseres Fachs. Zahlreiche heute in leitender Verantwortung tätige Gastroenterologinnen wurden von ihm ausgebildet, gefördert oder auf ihrem beruflichen Weg begleitet. Sein Einfluss reicht damit weit über die von ihm selbst entwickelten Techniken und publizierten Arbeiten hinaus.

Viele von uns verbinden mit Prof. Seifert Eigenschaften, die heute vielleicht wichtiger denn je sind: klinische Exzellenz, wissenschaftliche Neugier, Bescheidenheit, Kollegialität und die Bereitschaft, Wissen großzügig weiterzugeben.

Hans Seifert gehört zu jener Generation von Endoskopiker*innen, die nicht nur Techniken entwickelt, sondern auch eine Kultur des gemeinsamen Lernens und des gegenseitigen Respekts geschaffen hat. Die Geschichte der interventionellen Endoskopie in Deutschland kann nicht erzählt werden, ohne den Namen Hans Seifert zu nennen.

Walter-Kausch-Medaille der DGAV 2026

Prof. Marc Besselink, Amsterdam (Niederlande)

Professor Marc G. Besselink (*1976) ist Professor für Pankreas- und hepato-pankreatobiliäre Chirurgie am Amsterdam UMC, University of Amsterdam. Er zählt international zu den prägenden Persönlichkeiten der modernen Pankreaschirurgie und hat durch seine wissenschaftliche, klinische und organisatorische Arbeit wesentlich zur Weiterentwicklung dieses anspruchsvollen Fachgebiets beigetragen.

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Nach seinem Medizinstudium an der Universität Utrecht ergänzte Prof. Besselink seine Ausbildung unter anderem durch ein postgraduales Studium in Evidence Based Health Care an der University of Oxford sowie durch ein Surgical Leadership Program an der Harvard Medical School. Sein klinischer und wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Behandlungsergebnisse bei Erkrankungen des Pankreas und der Leber-Gallenwege. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Pankreaskarzinom, der akuten und chronischen Pankreatitis sowie der sicheren Einführung und wissenschaftlichen Evaluation minimalinvasiver, laparoskopischer und robotischer Verfahren in der Pankreaschirurgie.

Das wissenschaftliche Wirken von Prof. Besselink ist in besonderer Weise durch den Aufbau und die Leitung großer kollaborativer Forschungsstrukturen geprägt. Er ist eng verbunden mit der Dutch Pancreatic Cancer Group, der Dutch Pancreatitis Study Group sowie dem European Consortium on Minimally Invasive Pancreatic Surgery. Durch diese nationalen und internationalen Netzwerke konnten multizentrische Studien, Registerprojekte und Qualitätsinitiativen umgesetzt werden, die die chirurgische Versorgung von Patienten mit Pankreaserkrankungen nachhaltig beeinflusst haben.

Mit zahlreichen hochrangigen Publikationen und randomisierten multizentrischen Studien hat Prof. Besselink entscheidend dazu beigetragen, zentrale Fragen der Pankreaschirurgie evidenzbasiert zu beantworten. Seine Arbeiten reichen von der operativen Therapie des Pankreaskarzinoms über neoadjuvante Behandlungskonzepte bis hin zur onkologischen Sicherheit minimalinvasiver Resektionen und zur strukturierten Ausbildung in komplexen pankreaschirurgischen Verfahren.

Auch über seine eigene klinische und wissenschaftliche Tätigkeit hinaus engagiert sich Prof. Besselink in internationalen Fachgesellschaften und chirurgischen Konsortien. Als ehemaliger Präsident der European-African Hepato-Pancreato-Biliary Association (E-AHPBA) und als aktiver Gestalter europäischer und globaler Forschungsinitiativen hat er die internationale Vernetzung der HPB-Chirurgie maßgeblich gefördert.

Die Walter-Kausch-Medaille erinnert an einen chirurgischen Pionier, dessen Name untrennbar mit der Entwicklung der Pankreaschirurgie verbunden ist. In diesem Sinne ehrt die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit Prof. Marc Besselink einen herausragenden Chirurgen und Wissenschaftler, der die Pankreaschirurgie unserer Zeit durch Innovationskraft, wissenschaftliche Exzellenz und internationale Zusammenarbeit in besonderer Weise geprägt hat.

 

Über den Namensgeber Walter Kausch

Walter Kausch (1867–1928) zählt zu den großen Pionieren der Pankreaschirurgie. Nach seinem Medizinstudium und seiner Habilitation an der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg war er an der Chirurgischen Klinik der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität tätig und wurde 1905 Ärztlicher Direktor des Auguste-Viktoria-Krankenhauses in Berlin. Weltweite Bedeutung erlangte er durch die im August 1909 durchgeführte erste erfolgreiche partielle Duodenopankreatektomie. Mit dieser Pionierleistung begründete er 25 Jahre vor Allen Oldfather Whipple die moderne, technisch anspruchsvolle Pankreaschirurgie. Die DGAV erinnert mit der Walter-Kausch-Medaille an dieses außergewöhnliche chirurgische Erbe und würdigt Persönlichkeiten, deren Lebenswerk wesentlich zum Fortschritt der Leber-, Gallen- und Pankreaschirurgie beigetragen hat.

Rudolf-Pichlmayr-Medaille der DGAV

Prof. Dr. med. Michael Ghadimi, Göttingen

Prof. Dr. med. Michael Ghadimi (*1968, München) ist Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen und W3-Professor für Chirurgie und viszerale Tumortherapie an der Georg-August-Universität Göttingen. Darüber hinaus ist er ständiger Vertreter des Vorstands Krankenversorgung der Universitätsmedizin Göttingen und geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Universitäts- Krebszentrums Göttingen.

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Nach dem Studium der Humanmedizin an der Universität Heidelberg sowie Studienaufenthalten in den USA begann Prof. Ghadimi seine klinische Laufbahn an der Klinik für Chirurgie und chirurgische Onkologie der Charité in Berlin. Von 1997 bis 1999 war er als Postdoctoral Fellow am National Human Genome Research Institute und am National Cancer Institute der National Institutes of Health in Bethesda, USA, tätig. 1999 wechselte er an die Universitätsmedizin Göttingen, wo er seine chirurgische Weiterbildung fortsetzte, sich 2005 habilitierte und anschließend als Oberarzt und Leitender Oberarzt an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie tätig war. Seit 2012 leitet er die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen.

Seine klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der chirurgischen Onkologie, insbesondere in der Behandlung gastrointestinaler Tumoren, der Pankreaschirurgie, der kolorektalen Chirurgie sowie der interdisziplinären und translationalen Tumormedizin. In besonderer Weise verbindet Prof. Ghadimi chirurgische Exzellenz mit molekularbiologischer und klinisch-wissenschaftlicher Expertise. Seine Arbeiten stehen beispielhaft für eine moderne onkologische Chirurgie, die operative Präzision, individualisierte Therapiekonzepte und interdisziplinäre Versorgung konsequent zusammenführt.

Über seine klinische und wissenschaftliche Tätigkeit hinaus hat Prof. Ghadimi die onkologische Versorgung und die chirurgische Fachlandschaft in Deutschland maßgeblich mitgestaltet. Als Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft setzt er sich für eine evidenzbasierte, leitliniengerechte und qualitätsgesicherte Krebsmedizin ein. Zugleich engagierte er sich über viele Jahre in zentralen akademischen und chirurgischen Gremien, unter anderem als Sprecher des Konvents der Lehrstuhlinhaber für Allgemein- und Viszeralchirurgie und für die dortige Nachwuchsakademie, die Exzellenzakademie des Konvents, sowie als langjähriger Vorsitzender der Stiftung Universitätschirurgie. Die Wahl in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina unterstreicht die besondere wissenschaftliche Anerkennung seines Wirkens.

Mit der Rudolf-Pichlmayr-Medaille ehrt die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise um die Viszeralchirurgie verdient gemacht haben. Prof. Michael Ghadimi hat die chirurgische Onkologie durch seine klinische Führungsverantwortung, seine wissenschaftliche Exzellenz und sein nachhaltiges Engagement für die interdisziplinäre Krebsmedizin und insbesondere für die Nachwuchsförderung in der Exzellenzakademie des Konvents in besonderer Weise geprägt. Daher verleiht ihm die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie auf der Viszeralmedizin 2026 die Rudolf-Pichlmayr-Medaille der DGAV.

 

Über den Namensgeber Rudolf Pichlmayr

Rudolf Pichlmayr (1932–1997) zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen und internationalen Transplantationschirurgie. Nach seinem Medizinstudium in München wechselte er 1960 an die Chirurgische Klinik der Universität München. 1968 ging er an die Medizinische Hochschule Hannover, wo er die Abteilung für Spezielle Chirurgie und Transplantationswesen aufbaute und 1973 zum Ordinarius für Abdominal- und Transplantationschirurgie berufen wurde. Mit seinen Arbeiten zur Immunsuppression und der weltweit ersten Split-Liver-Transplantation im Jahr 1988 prägte er die moderne Lebertransplantation. Die DGAV erinnert mit der Rudolf-Pichlmayr-Medaille an sein außergewöhnliches chirurgisches und menschliches Wirken und würdigt Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise um die Fachgesellschaft verdient gemacht haben.

Rudolf-Nissen-Preis der DGAV

Prof. Dr. med. Rosa Klotz, Heidelberg

Prof. Dr. med. Rosa Klotz ist Leitende Oberärztin an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg und Ärztliche Leiterin des Studienzentrums der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Ihre klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der onkologischen Viszeralchirurgie, der Pankreaschirurgie, der robotischen Chirurgie, der Transplantationschirurgie sowie in den Bereichen Prähabilitation und Patient Centeredness.

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Nach dem Studium der Humanmedizin an der Eberhard Karls Universität Tübingen mit Auslandsaufenthalten in Providence, Utrecht und Zürich erhielt sie 2013 ihre Approbation. Ab 2014 war sie als Assistenzärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg tätig. 2020 erlangte sie die Facharztanerkennung für Allgemeinchirurgie. Nach oberärztlichen Stationen am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim und am Universitätsklinikum Heidelberg ist sie seit Oktober 2025 Leitende Oberärztin in Heidelberg.

Ihr wissenschaftliches Profil ist in besonderer Weise durch die evidenzbasierte Weiterentwicklung der Pankreaschirurgie geprägt. Nach ihrer Promotion habilitierte sie sich im Fach Chirurgie mit einer Arbeit zur evidenzbasierten Chirurgie des Pankreaskarzinoms. Im Jahr 2025 wurde ihr die außerplanmäßige Professur an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg verliehen. Ihre Arbeiten verbinden klinisch relevante Fragestellungen der Pankreaschirurgie mit methodischer Strenge, systematischer Evidenzsynthese und patientenzentrierter Versorgungsforschung.

Eine besondere Rolle nimmt Prof. Klotz in der klinischen Studienkultur der Chirurgie ein. Als Ärztliche Leiterin des Studienzentrums der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie engagiert sie sich für die Planung und Umsetzung hochwertiger klinischer Studien in der Allgemein- und Viszeralchirurgie. Darüber hinaus leitet sie die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Systematic Reviews, in der chirurgische Fragestellungen nach den methodischen Standards der Cochrane Collaboration bearbeitet werden. Mit der ärztlichen Leitung des Patient Advisory Boards setzt sie zudem wichtige Impulse für die stärkere Einbindung von Patientinnen und Patienten in chirurgische Forschungsprozesse.

Mit dem Rudolf-Nissen-Preis würdigt die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie wissenschaftlich tätige Chirurg*innen unter 40 Jahren, die mit ihren Arbeiten neue Impulse für die Allgemein- und Viszeralchirurgie setzen. Prof. Rosa Klotz steht für eine Generation chirurgischer Wissenschaftlerinnen, die operative Exzellenz, methodische Qualität, klinische Relevanz und patientenzentrierte Perspektiven miteinander verbindet. Mit ihrem Engagement für evidenzbasierte Pankreaschirurgie, klinische Studienstrukturen und patientennahe Forschung leistet sie einen wichtigen Beitrag zur modernen Viszeralchirurgie. Daher verleiht ihr die DGAV auf der Viszeralmedizin 2026 den Rudolf-Nissen-Preis.

 

Über den Namensgeber Rudolf Nissen

Rudolf Nissen (1895–1981) zählt zu den prägenden Chirurgen des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Medizinstudium in Breslau arbeitete er viele Jahre bei Ferdinand Sauerbruch in München und Berlin. 1931 führte er an der Berliner Charité die erste erfolgreiche Pneumonektomie durch. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft emigrierte er 1933 nach Istanbul und später in die USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Europa zurück und lehrte bis 1967 in Basel. Neben seinen wegweisenden Beiträgen zur Thoraxchirurgie prägte er insbesondere die Chirurgie des oberen Gastrointestinaltrakts. Die von ihm entwickelte Fundoplikatio zur Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit ist bis heute untrennbar mit seinem Namen verbunden. Mit dem Rudolf-Nissen-Preis würdigt die DGAV wissenschaftlich Tätige unter 40 Jahren, die mit ihrer Forschung neue Impulse für die Allgemein- und Viszeralchirurgie setzen.

Ehrenmitgliedschaft 2026 der DGVS

Prof. Dr. med. Irmtraut Koop, Hamburg

Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten würdigen wir eine Persönlichkeit, die unser Fach über Jahrzehnte geprägt und bereichert hat: Professor Dr. med. Irmtraut Koop.

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Nach ihrem Medizinstudium in Göttingen (1975–1982), der Promotion im Jahr 1983 und ihrer wissenschaftlichen Ausbildung an der Medizinischen Klinik der Philipps-Universität Marburg bei Prof. Rudolf Arnold entwickelte sie sich zu einer der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Gastroenterologie. Ein Forschungsaufenthalt in Kanada erweiterte früh ihren wissenschaftlichen Horizont und legte den Grundstein für eine Karriere, die klinische Exzellenz, Forschung und ärztliche Führung beispielhaft verband.

Von 1982 bis 1994 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Marburg tätig. Anschließend setzte sie ihre klinische und wissenschaftliche Laufbahn mehrere Jahre an der Charité der Humboldt-Universität zu Berlin fort, bevor sie als Chefärztin der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie am Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus in Hamburg über mehr als zwei Jahrzehnte eine der führenden gastroenterologischen Einrichtungen Norddeutschlands leitete. Als stellvertretende Ärztliche Direktorin übernahm sie darüber hinaus Verantwortung für die strategische Entwicklung des Hauses.

Mit hoher fachlicher Kompetenz, wissenschaftlicher Neugier, klinischer Erfahrung und menschlicher Integrität hat sie die Gastroenterologie nachhaltig geprägt. Als Ärztin, Wissenschaftlerin, Lehrerin und Autorin eines viel genutzten Lehrbuchs, das fundiertes Wissen mit großer Praxisnähe verbindet, hat sie Generationen von Ärzt*innen begleitet und gefördert. Viele erinnern sich an eine Führungspersönlichkeit, die hohe fachliche Ansprüche mit Fairness, Kollegialität und persönlicher Zugewandtheit verband.

Ihr Wirken reichte weit über die eigene Klinik hinaus. Als langjährige Vorsitzende der Norddeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie förderte sie den wissenschaftlichen Austausch und die Vernetzung von Kolleg*innen. Im Wissenschaftlichen Beirat der DGVS brachte sie ihre Erfahrung, Urteilskraft und Weitsicht in zentrale Entscheidungen ein und trug wesentlich zur Entwicklung unserer Fachgesellschaft bei.

Besonders hervorheben möchten wir ihr Engagement für die historische Verantwortung der Medizin. Mit großem persönlichem Einsatz unterstützte Prof. Koop die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit unseres Faches. Im Rahmen des Projekts „Gegen das Vergessen“ setzt sie sich dafür ein, die Schicksale verfolgter und ausgegrenzter Kolleg*innen sichtbar zu machen und die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten. Damit hat sie eindrucksvoll gezeigt, dass wissenschaftliche Exzellenz und ethische Verantwortung untrennbar miteinander verbunden sind.

Wer Irmtraut Koop kennt, weiß, dass ihr Lebenswerk nicht allein durch Ämter, Funktionen oder Publikationen beschrieben werden kann. Es sind ihre Haltung, ihre Verlässlichkeit, ihre Klugheit und ihre Menschlichkeit, die sie zu einer herausragenden Persönlichkeit unseres Faches machen.

Im Jahr 2022 wurde sie in den Ruhestand verabschiedet. Die Spuren ihres Wirkens bleiben sichtbar – in den Menschen, die sie gefördert hat, in den Strukturen, die sie aufgebaut hat, und in den Entwicklungen, die sie angestoßen hat.

Wir danken heute einer Kollegin, die Generationen von Ärzt*innen geprägt, unsere Fachgesellschaft mitgestaltet und unserem Fach über viele Jahre ein Gesicht gegeben hat.

Ehrenmitgliedschaft der DGAV 2026

Prof. Ugo Boggi, Pisa (Italien)

Professor Ugo Boggi ist Professor für Chirurgie an der Università Cattolica del Sacro Cuore und am Policlinico Universitario Agostino Gemelli sowie vormals an der Universität Pisa und Direktor der Klinik für Allgemein- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Pisa. Darüber hinaus ist er als Adjunct Associate Professor of Surgery an der University of Pittsburgh tätig. Mit seinem klinischen, wissenschaftlichen und akademischen Wirken zählt er international zu den herausragenden Persönlichkeiten auf dem Gebiet der hepatopankreatobiliären Chirurgie, der Transplantationschirurgie und der robotischen HPB-Chirurgie.

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Prof. Boggi schloss sein Medizinstudium 1990 an der Universität Pisa mit Auszeichnung ab. Es folgten die Facharztausbildungen in Allgemeinchirurgie sowie in Chirurgie des Verdauungstrakts und chirurgischer Endoskopie, ebenfalls an der Universität Pisa. Ergänzend absolvierte er einen Teil seiner Weiterbildung in den USA am Cabrini Medical Center in New York und erwarb 1993 das ECFMG-Zertifikat. Nach Stationen als wissenschaftlicher Mitarbeiter und außerordentlicher Professor wurde er 2016 zum ordentlichen Professor für Allgemeinchirurgie an der Universität Pisa berufen. Seit September 2026 ist er an der Chirurgie der Università Cattolica del Sacro Cuore und des Policlinico Universitario Agostino Gemelli tätig.

Sein operatives Spektrum ist außergewöhnlich breit und umfasst komplexe Eingriffe der Pankreas-, Leber- und Transplantationschirurgie. Besondere internationale Sichtbarkeit erlangte Prof. Boggi durch eine Reihe chirurgischer Pionierleistungen. Hierzu zählen unter anderem die weltweit erste robotische Pankreastransplantation, die weltweit erste robotische simultane Nieren- und Pankreastransplantation, die erste robotische rechte Hepatektomie zur Leberlebendspende zwischen Erwachsenen sowie der erste robotische distale splenorenale Shunt. In Europa führte er zudem die erste robotische Nierentransplantation durch.

Neben diesen technischen Innovationen hat Prof. Boggi die Weiterentwicklung der HPB-Chirurgie durch seine wissenschaftliche Arbeit wesentlich geprägt. Sein Schwerpunkt liegt insbesondere auf der chirurgischen Therapie des Pankreaskarzinoms, der minimalinvasiven und robotischen Pankreaschirurgie sowie der Behandlung lokal fortgeschrittener Tumoren mit vaskulären Resektionen. Auch in Lehre, Nachwuchsförderung und Fachgesellschaftsarbeit hat Prof. Boggi nachhaltige Impulse gesetzt.

Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft würdigt die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie einen außergewöhnlichen europäischen Chirurgen, der die moderne Viszeralchirurgie durch operative Innovationskraft, wissenschaftliche Exzellenz, internationale Sichtbarkeit und akademische Führungsverantwortung in besonderer Weise geprägt hat. Sein Wirken steht beispielhaft für eine Chirurgie, die technische Präzision, Mut zur Weiterentwicklung und Verantwortung gegenüber Patienten miteinander verbindet.