1914

1. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie

Bad Homburg v.d.H., 24. - 26. April 1914

Carl Anton Eswald

Berlin

* 1845 in Berlin

† 1915 in Berlin

Vita

Carl Anton Ewald wurde bereits während seines Studiums in Bonn von Eduard Pflüger angeregt, sich mit Fragen der Physiologie zu beschäftigen. Seit 1871 absolvierte Ewald seine internistische Ausbildung bei Theodor v. Frerichs in der I. Medizinischen Klinik der Charité Berlin. Die Habilitation erfolgte dort 1874. Ewald erlebte als aktiv Beteiligter den Paradigmenwechsel in der klinischen Medizin im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts: die spekulative Naturforschung wurde durch die streng empirische Methode abgelöst und die Medizin naturwissenschaftlich geprägt. 1876 wurde Ewald dirigierender Arzt der Berliner Frauen-Siechen-Anstalt und übernahm 1888 als Nachfolger Hermann Senators die Ärztliche Leitung der Medizinischen Klinik am Berliner Augustahospital in der Scharnhorststraße. Von 1882 bis 1905 war er Schriftleiter der angesehenen Berliner klinischen Wochenschrift. 1901 erhielt Ewald die Ehrenmitgliedschaft der American Gastroenterological Association.

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Wissenschaftliche Schwerpunkte

Frühzeitig beschäftigte sich Ewald mit der Physiologie und Pathologie der Verdauung und hielt über dieses Thema Vorlesungen an der Berliner Universität. 1875 schuf er – zeitgleich zu Leopold Oser, Wien – mit der Einführung des weichen (Gummi-)Magenschlauchs die Voraussetzung dafür, auf einfache und gefahrlose Weise die Sekretion und die Aziditätsverhältnisse im Magen unter standardisierten Bedingungen (Ewald-Boas-Probefrühstück) untersuchen zu können. Im Vordergrund stand der „Chemismus“ des Magens. In dem von ihm selbst illustrierten Werk Klinik für Verdauungskrankheiten fasste Ewald seine eigenen Forschungsergebnisse und das damals noch sehr zerstreute und wenig zugängliche Wissen über die Verdauungskrankheiten zusammen.

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Entwicklungen der Gesellschaft während der Präsidentschaft

Der erste Vorstand der Gesellschaft 1913 und der Fach-Kongress 1914 entstanden im Spannungsfeld zwischen den Bestrebungen zur Einheit der Inneren Medizin einerseits und der Spezialisierung andererseits. Ewald verstand sich als „universeller Kliniker“ und war an der Gründung des „Ersten Congresses für Innere Medicin“ 1882 beteiligt. Den Weg in die Spezialisierung, den sein Schüler Ismar Boas seit 1886 beschritt, lehnte Ewald zunächst vehement ab. Schließlich übernahm er den Vorsitz der neu gegründeten Gesellschaft und der Ersten Fachtagung 1914. Dem Vorstand gehörten ferner Adolf Schmidt als zweiter Vorsitzender, Ismar Boas, Hugo Starck und der Bad Homburger Diätetiker Curt Pariser an. Vermutlich auf dessen Initiative fand der erste Fachkongress Gastroenterologie in Bad Homburg v.d.H. statt. Mit mehr als 300 Teilnehmern verlief die Tagung erfolgreich. Seine frühere Ablehnung des neuen Spezialfaches gab Ewald mit seiner Eröffnungsrede auf.

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Ausgewählte Publikationen

Mit I. Boas Beiträge zur Physiologie und Pathologie der Verdauung I u. II. Arch path Anat Physiol klin Med (Virchows Archiv) 1885; 101: 325 - 375 und 1886; 104: 271 - 305.
Lehre von der Verdauung, Zwölf Vorlesungen, Berlin 1879 als Band I seiner Klinik der Verdauungskrankheiten. 1888 folgte als II. Band, Die Krankheiten des Magens und 1902 als Band III Krankheiten des Darmes und des Bauchfells.
Die Leberkrankheiten. Für Studierende und Ärzte. Leipzig 1913.
Über Altern und Sterben. Leipzig 1913.

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