Viszeralmedizin 2019, 2. - 5. Oktober
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1926

Gustav von Bergmann

Frankfurt

* 1878 in Würzburg

† 1955 in München

Vita

Gustav von Bergmann begann seine Ausbildung zum Internisten bei Friedrich von Müller in Basel, wechselte in das Institut für physiologische Chemie zu Franz Hofmeister nach Strassburg und wurde 1903 Assistenzarzt in der II. Medizinischen Universitätsklinik der Charité bei Friedrich Kraus. 1906 war er bei Paul Ehrlich und dem Serologen Hans Sachs in Frankfurt tätig und bildete sich in Paris bei Fernand Widal fort. 1908 erfolgte die Habilitation an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Von Bergmann verließ 1912 die Charité, wurde Ärztlicher Leiter der Medizinischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Altona, wechselte 1916 als Ordinarius für Innere Medizin an die Philipps-Universität Marburg und wurde 1920 nach Frankfurt berufen. Anfang 1927 wurde er Lehrstuhlinhaber für Innere Medizin an der II. Medizinischen Klinik der Charité. Als Prodekan kam ihm 1933 an der Berliner Medizinischen Fakultät eine besondere Bedeutung zu. Zwar begegnete von Bergmann der NS-Ideologie distanziert, wirkte jedoch – schweigend – seit März 1933 an den Entlassungen der jüdischen Ärztinnen und Ärzte mit. Erinnerungen an die vertriebenen jüdischen Mitarbeiter seiner eigenen Klinik oder eine Reflexion seiner Rolle im Dritten Reich finden sich in seinen 1953 publizierten Memoiren nicht. Von 1946 bis 1953 leitete er die II. Medizinische Klinik der Universität München. Gerhardt Katsch, Hans Heinrich Berg, Ernst Wollheim, Herbert Herxheimer, Thure von Uexküll, Karl Westphal, Heinz Kalk und Fritz Stroebe waren Schüler von Bergmanns.

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Wissenschaftliche Schwerpunkte

Experimentell arbeitete von Bergmann über die Umwandlung von Cystin in Taurin im tierischen Organismus. Später widmete er sich der Pathogenese des peptischen Ulcus und der Gallenblasenkrankheiten. Frühzeitig sammelte er Erfahrungen zur Röntgendiagnostik des Magen-Darm-Traktes, zumal er bei Friedrich Kraus das Röntgenlabor leitete. Gemeinsam mit Wilhelm Eilbott stellte er 1927 einen Bilirubinbelastungs-Test zur Funktionsprüfung der Leber vor. Große Aufmerksamkeit erwarb sich von Bergmann mit seiner Anschauung, dass Erkrankungen nicht mit Struktur-, sondern mit Funktionsveränderungen beginnen. Seine Auffassung fasste er in dem Begriff „vegetative Stigmatisation“ zusammen. Sein Buch „Funktionelle Pathologie“ (1932) gilt als wegbereitend für die Psychosomatik.

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Entwicklungen der Gesellschaft während der Präsidentschaft

Organisatorisch erfolgten in der Gesellschaft 1926 keine Veränderungen. Hauptthemen der Jahrestagung waren die Gastritis sowie der Wasser- und Mineralhaushalt. Im Mittelpunkt stand ferner die Magenneurose, über die Friedrich Kraus, Viktor von Weizsäcker und Gerhardt Katsch sprachen und zu der es eine intensive Diskussion gab.

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Ausgewählte Publikationen

1. mit W. Eilbott. Funktionsprüfung der Leber mittels Bilirubinbelastung. Z klin Med 1927; 156: 529 – 560.
2. Funktionelle Pathologie. Eine klinische Sammlung von Ergebnissen und Anschauungen einer Arbeitsrichtung. Unter Mitarbeit von Martin Goldner. Berlin 1932. – Goldner, der wegen seiner jüdischen Herkunft emigrieren mußte, wird in der 2. Aufl. 1936 nicht mehr erwähnt.
3. mit Rudolf Staehelin Herausgabe des Handbuches Innere Medizin (1925 – 1931) sowie mit Albrecht Bethe und Gustav G. Embden Herausgabe des Handbuches der normalen und pathologischen Physiologie.

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