Viszeralmedizin 2019, 2. - 5. Oktober
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1927

7. Tagung

Wien, 4. – 7. Oktober 1927

Arthur Biedl

Prag

* 1869 in Ostern/Banat

† 1933 in Weißenbach/Österreich

Vita

Arthur Biedl, aufgewachsen in einer jüdischen Familie, hatte sich nach dem Studium in experimenteller Pathologie bei Salomon Stricker in Wien weitergebildet. 1898 wurde er zum Titularprofessor ernannt und erhielt 1914 ein Ordinariat für Allgemeine und Experimentelle Pathologie an der Deutschen Universität in Prag. Zudem wurde ihm dort die Leitung der Propädeutischen Klinik übertragen; so konnte er klinische Tätigkeit mit experimenteller Forschung verbinden. Biedl, vornehmlich Pathophysiologe, gilt als Begründer der modernen Endokrinologie. Gemeinsam mit Leon Asher begründete er 1928 die Fachzeitschrift Endokrinologie und gehörte bis 1933 zu deren Mitherausgebern. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Hans Seyle – Beschreiber des Stress-Syndroms.

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Wissenschaftliche Schwerpunkte

Die Funktion der Nebenniere, der Schilddrüse und der Epithelkörperchen standen im Zentrum seiner Forschungen. 1902 beschrieb er die postoperative Tetanie nach Exstirpation der Parathyreoidea und die Folgen der vollständigen Entfernung der Schilddrüse. Später wandte er sich der Pathophysiologie der Erkrankungen von Hypophyse und Ovarien zu. Das Laurence-Moon-Biedl-Syndrom trägt seinen Namen.
1910 publizierte Biedl das Werk „Innere Sekretion“, das große Aufmerksamkeit hervorrief. Biedls experimentellen Forschungen, seine Systematik der Endokrinologie und die von ihm erarbeitete erste bedeutsame Bibliographie der Literatur für das neue Fachgebiet waren wegweisend.

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Entwicklungen der Gesellschaft während der Präsidentschaft

Vorsitzender des Wiener Lokalausschusses für die Tagungsorganisation war der Boas-Schüler Walter Zweig. Ismar Boas und Wilhelm Schultzen, früherer Sanitätsinspekteur im Reichswehrministerium, wurden zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft gewählt. Paul Oswald Wolff, Pharmakologe, wurde Stellvertreter des Generalsekretärs Reinhard von den Velden.
Biedl betonte in seiner Eröffnungsrede die rasche „quantitative und qualitative“ Entwicklung der Jahrestagungen seit 1914. Mit seiner Person repräsentierte ein Pathophysiologe und forschender Endokrinologe die Gesellschaft. Er thematisierte das Verhältnis zwischen medizinischer Wissenschaft und ärztlicher Heilkunst. In diesem Kontext plädierte er für eine „wirklich erlebte und gelebte Physiologie“ und für gesichertes Wissen als Grundlage jedweder therapeutischen Entscheidung.

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Ausgewählte Publikationen

1. Innere Sekretion, ihre physiologischen Grundlagen und ihre Bedeutung für die Pathologie,
Berlin 1910.
2. Physiologie und Pathologie der Hypophyse. München-Wiesbaden 1922
3. Literatur, Innere Sekretion. Berlin 1922.
4. Hormone und Stoffwechsel. Die Bedeutung der Hormone für den Stoffwechsel tierischer und pflanzlicher Organismen. Freising-München 1926.

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