Viszeralmedizin 2019, 2. - 5. Oktober
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1929

9. Tagung

Berlin, 16. – 18. Oktober 1929

Hans von Haberer

Düsseldorf

* 1875 in Wien

† 1958 in Düren

Vita

Hans von Haberer bildete sich zunächst in Graz im Fach Anatomie und in der Pathologie bei Hans Eppinger sen. fort, bevor er 1902 seine Ausbildung zum Chirurgen bei Anton von Eiselsberg in Wien begann. 1907 habilitiert wurde er als Ordinarius für Chirurgie 1911 nach Innsbruck, 1924 nach Graz, 1926 nach Düsseldorf und 1930 nach Köln berufen. Dort wirkte er bis 1945.
Von Haberer wurde 1933 Fördermitglied der SS und war seit Mai 1937 Mitglied der NSDAP. Von 1935 bis 1938 bekleidete er das Rektorenamt der Universität Köln. Aufgrund der Quellenlage ist davon auszugehen, dass Haberer sich systemkonform im Sinne der NS-Ideologie verhalten hat. Die britische Militärregierung entließ von Haberer 1945 aus seinen Positionen. Im Spruchkammerverfahren der Gruppe der „Entlasteten“ zugeordnet wurde er 1948 von der Universität und dem zuständigen Ministerium rehabilitiert und wegen seines Alters gleichzeitig emeritiert.

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Wissenschaftliche Schwerpunkte

Von Haberer widmete sich vornehmlich der Magen-Darm-Chirurgie, insbesondere der operativen Therapie des Ulcus ventriculi und duodeni sowie des Magencarcinoms. Er propagierte die Magenresektion bei der Ulkuskrankheit entweder in einer modifizierten Billroth-I-Resektion mit termino-lateraler Anastomose zur Pars descendens duodeni oder als B-II-Resektion mit antecolischer Anastomose zwischen Magen und Jejunum und mit einer Enteroanastomose. Aufgrund seiner eigenen praktischen Erfahrung mit mindestens 3000 Magenresektionen und einer exakten Analyse der verschiedenen Operationsmethoden, kamen Haberers Aussagen zur Magenchirurgie hohe Bedeutung zu. Ferner hat er sich mit Fragen der Cholecystektomie, kriegschirurgischen Themen und der Behandlung des abdominellen Aneurysmas beschäftigt.

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Entwicklungen der Gesellschaft während der Präsidentschaft

Während der 9. Tagung beschloss der Ausschuss der Gesellschaft, zukünftig „in der Regel die Tagung in 2jährigem Turnus zwischen Berlin und Wien abzuhalten“. Die Zahl der Mitglieder war im Oktober 1929 auf 471 angestiegen. Themen wie Kritik der Pharmakotherapie sowie Pyloro- und Kardiospasmus wurde während der Tagung besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Paul F. Richter und Gustav von Bergmann hielten Hauptreferate zu neuen Aspekten der Lebererkrankungen, wobei besonders die Leberfunktionsprüfungen diskutiert wurden.

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Ausgewählte Publikationen

1. Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni, Ulcus pepticum jejuni, mit besonderer Berücksichtigung der chirurgischen Therapie. Dtsch Z Chir 1922; 172: 1 – 77.
2. Verbesserung unserer Resultat bei Dickdarmresektion. Arch Klin Chir 1931; 167: 443 – 458.
3. Über Häufigkeit und Bedeutung von Fehldiagnosen bei Ulcus und Carcinom im Magen und Duodenum. Dtsch Z Chir 1935; 245: 744 – 755.
4. Die Erkrankungen der Leber und der Gallenwege. Ein Grenzgebiet zwischen innerer Medizin und Chirurgie. Für Ärzte und Studierende. Kempen-Niederrhein 1947.

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