Viszeralmedizin 2019, 2. - 5. Oktober
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1950

15. Tagung

Bad Kissingen, 26. – 30. September 1950

Hans Heinrich Berg

Hamburg

* 1889 in Itzehoe

† 1968 in Hamburg

Vita

Hans Heinrich Berg wurde 1914 Assistentenarzt bei Gustav von Bergmann im Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Altona. Nach Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg folgte er von Bergmann an die Medizinische Universitätsklinik in Marburg und wechselte mit ihm nach Frankfurt sowie 1927 als Oberarzt an die II. Medizinische Universitätsklinik der Charité nach Berlin. 1926 habilitiert übernahm Berg 1931 die Ärztliche Direktion der Medizinischen Klinik am Städtischen Krankenhaus Dortmund. Seit Januar 1935 leitete er als Ordinarius für Innere Medizin die I. Medizinische Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf.
Berg trat nicht in die NSDAP ein. Bis 1939 war er Fördermitglied der SS. Mit Beginn des II. Weltkrieges wurde er Beratender Internist im Wehrkreises X mit großen Reservelazaretten, Kriegsgefangenen- und Arbeitslagern. Über das geheime wehrmedizinische Forschungsprojekt über Unterernährung und Hungerödem seines Mitarbeiters Heinrich Berning an schwerkranken untergewichtigen sowjetischen Kriegsgefangenen war Berg informiert. Er hatte keine Einwände gegen diese Untersuchungen.
1945 vorübergehend suspendiert konnte Berg seit Anfang 1947 seine Tätigkeit als Direktor der Hamburger Medizinischen Universitätsklinik bis zu seiner Emeritierung 1959 fortsetzen. Sein wissenschaftliches Lebenswerk war international anerkannt. 1958 verlieh ihm die American Gastroenterological Association die Ehrenmitgliedschaft, die zuletzt 1910 Ismar Boas und 1914 Bernhard Naunyn erhalten hatten.

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Wissenschaftliche Schwerpunkte

Berg beschäftigte sich seit Anfang der 1920er Jahre mit Fragen der Röntgendiagnostik morphologischer Veränderungen des Gastrointestinaltraktes. Durch eine Kombination von Durchleuchtungs- und Aufnahmeverfahren und gezielte Momentaufnahmen optimierte er die Diagnostik. Berg wurde 1926 mit seiner Arbeit über Röntgensymptome des Ulcus duodeni habilitiert. Die visualisierten Reliefveränderungen des Magen-Darmkanals waren zur damaligen Zeit wegweisend. Die Prinzipien der radiologischen Detaildiagnostik fanden ebenso für den Dickdarm und die Gallenwege Anwendung. Die Studien zur Röntgendiagnostik führte Berg gemeinsam mit Robert Prévôt in den 1930er Jahren als DFG-gefördertes Forschungsprojekt fort. Gemeinsam mit dem Chirurgen Georg Ernst Konjetzny, begründete Berg frühzeitig den gastroenterologischen Schwerpunkt am Hamburger Universitätsklinikum.

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Entwicklung der Gesellschaft während der Präsidentschaft

Die 15. Jahrestagung 1950 stellte den organisatorischen Neubeginn der Gesellschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dar. Die Tagung war u. a. nach Initiativen Erich Grafes, Vorsitzender der DGVS 1938, zustande gekommen. Der Kongress befasste sich mit einem breiten Spektrum ausschließlich hepatologischer Themen. Unter Beteiligung ausländischer Gäste wurde die Tagung von etwa 400 Teilnehmern besucht. Bergs Verbindungen nach England, Nord- und Südamerika sowie nach Skandinavien, ermöglichten der DGVS frühzeitig die Wiederaufnahme internationaler Kontakte.
Berg hatte seit Mitte der 1920er Jahre an den Tagungen der Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten teilgenommen und im Archiv für Verdauungskrankheiten publiziert. Durch seine Berliner Tätigkeit seit 1927 waren ihm die führenden Gastroenterologen jener Zeit bekannt. Die später zur Emigration gezwungenen Richard Schatzki und Alice Ettinger, später zur Emigration gezwungen, waren zeitweise Bergs Mitarbeiter. Umso unverständlicher erscheint es aus heutiger Sicht, dass Berg in seiner Eröffnungsrede zur 15. Tagung keine Worte der Erinnerung, einer Würdigung oder des Bedauerns für die vielen vertriebenen jüdischen Gastroenterologen fand. Er sprach von einem Jahrzehnt, das für die Gesellschaft „durch düstere und schmerzliche Ereignisse angefüllt“ war. Selbst Ismar Boas’ Schicksal und Tod wurden von Berg nicht erwähnt, obwohl der von Max Einhorn verfasste Nachruf für Boas 1938 im Archiv für Verdauungskrankheiten publiziert worden war.

Die Fachgesellschaft wurde in den 1950er und 1960er Jahren wesentlich von einer Mediziner- Generation repräsentiert, die zwischen 1887 und 1900 geboren war und drei politische Systemwechsel sowie den Ersten und Zweiten Weltkrieg erlebt hatte. Sie hatten entweder seit den späten 1920er Jahren oder in der Zeit des Nationalsozialismus Leitungspositionen erhalten. Seit 1939 waren Berg, Katsch, Beckmann, Kalk, Bansi und Mark Beratende Internisten der Deutschen Wehrmacht. Die Zeit zwischen 1933 und 1945 wurde in der Fachgesellschaft beschwiegen oder mit Apologie übergangen. Die Grenzüberschreitungen, z. B. die Hepatitis epidemica-Versuche an jüdischen Kindern im KZ Sachsenhausen, die „vergleichende Therapie“ Kurt Gutzeits, die „Ernährungsforschung“ zwischen 1939 und 1945 oder die Rolle Hans Eppingers bei den Meerwassertrinkversuchen wurden nicht thematisiert.

Hans Wilhelm Bansi wurde 1950 ständiger Schriftführer der DGVS. 1957 übernahm Gustav Adolf Martini diese Funktion. Martini, 1916 geboren, stand in der Gesellschaft für eine Generation, die während oder nach dem Ersten Weltkrieg geboren war.

Die DGVS wurde im Januar 1952 erstmals beim Amtsgericht Hamburg ins Vereinsregister ( VR 4858 ) eingetragen. Als Publikationsorgan der DGVS fungierte die von Max Bürger in Leipzig 1949 neu herausgegebene Deutsche Zeitschrift für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Problematisch für die Gesellschaft war, dass der Facharzt für Magen-Darm-Krankheiten 1949 durch einen Beschluss der Ärztekammer abgeschafft wurde. Die Bemühungen um dessen Wiedereinführung bestimmten bis in die späten 1960er Jahre viele Aktivitäten der DGVS ebenso wie die Bestrebungen um eine verbesserte Ausbildung und die Etablierung eigenständiger Abteilungen für Gastroenterologie und Hepatologie an den Universitätskliniken und großen Stadtkrankenhäusern.

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Ausgewählte Publikationen

1. Die direkten Röntgensymptome des Ulcus duodeni und ihre klinische Bedeutung, in: Ergebnisse der medizinischen Strahlenforschung, Band II, Leipzig 1926, 251 – 345.
2. Schleimhautrelief und Gastritis. Vhdlg Gesell Verdauungs Stoffwechselkr VI. Tagung (Berlin), Leipzig 1927, 105 – 107.
3. Reliefbilder des Darmkanals. Vhdlg Gesell Verdauungs Stoffwechselkr VII. Tagung (Wien), Leipzig 1928, 219 – 220.
2. Röntgenuntersuchungen am Innenrelief des Verdauungskanals. Ein Beitrag zur Klinischen Röntgendiagnostik insbesondere von Entzündung, Geschwür und Krebs. Leipzig 1930.

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