Viszeralmedizin 2019, 2. - 5. Oktober
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1955

18. Tagung

Bad Homburg, 3. – 5. Oktober 1955

Norbert Henning

Erlangen

* 1896 in Hundeshagen/Thüringen

† 1985 in Erlangen

Vita

Norbert Henning war nach seinem Medizinstudium kurzzeitig Assistenzarzt in Karlsruhe und wechselte 1923 nach Berlin zu dem Infektiologen Ulrich Friedemann an das Rudolf-Virchow-Krankenhaus. Von 1927 bis 1936 war er in der Medizinischen Klinik der Universität Leipzig bei Paul Morawitz tätig. Dort wurde er 1929 habilitiert. 1933 trat Henning der NSDAP bei, zudem war er Sturmbannarzt der SA. 1934 wurde er für politisch „unzuverlässig“ erklärt und aus der NS-Dozentenschaft ausgeschlossen. Von 1936 bis 1949 leitete er die Medizinische Klinik am Stadtkrankenhaus Fürth. 1949 wurde Henning Direktor der Medizinischen Universitäts-Poliklinik in Würzburg und von 1953 bis 1966 war er Ordinarius für Innere Medizin und Leiter der Medizinischen Klinik der Universität Erlangen. Henning begründete die „Erlanger Schule“, die für bedeutsame Innovationen in der endoskopischen Diagnostik und Therapie steht.
Zwischen 1936 und 1938 redigierte Henning das Boas-Archiv. In den 1950er und 1960er Jahren engagierte er sich unermüdlich für die Belange der Gastroenterologie. ¬1962 war Henning Präsident des 2. Weltkongresses für Gastroenterologie (WGO) in München. 1963 gründete er die Zeitschrift für Gastroenterologie. 1967 rief er die Deutsche Gesellschaft für gastroenterologische Endoskopie ins Leben.

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Wissenschaftlicher Schwerpunkt

Hennings Habilitationsarbeit „Die Bakterienbesiedlung des gesunden und kranken Magens“ wies auf den Schwerpunkt seiner Forschung hin, die sich mit den morphologischen, besonders den entzündlichen Schleimhautveränderungen des Magens befasste. Gleichzeitig widmete er sich in Leipzig der Technik der Gastroskopie und deren Weiterentwicklung; so hat er frühzeitig mit einem Prototypen des semiflexiblen Gastroskopes von Rudolf Schindler praktische Erfahrungen gesammelt. Seine Monographie „Entzündung des Magens“ basierte auf 1400 Gastroskopien, deren Befunde er mit Röntgenbildern und histologischen Befunden an Magenresektaten verglich. Nach 1945 beschäftigte er sich u. a. mit der Weiterentwicklung der Oesophagoskopie, Gastroskopie, Laparoskopie. Gemeinsam mit Klaus Heinkel stellte er die Henning-Heinkel-Sonde zur blinden Biopsie im oberen GI-Trakt vor.

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Entwicklungen der Gesellschaft während der Präsidentschaft

1954 verließen die Endokrinologen das „Dach“ der DGVS und gründeten mit der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) eine eigene Fachgesellschaft. In seiner Eröffnungsrede zur 18. Tagung am Gründungsort der DGVS in Bad Homburg thematisierte Henning Forschungsdefizite in der deutschen Gastroenterologie. Das Jahr 1933, die Folgen der NS-Politik und das Schicksal der jüdischen Kollegen, von denen ihm zahlreiche durch die Kongresse und durch das Boas-Archiv seit den 1920er Jahren bekannt waren, blieben unerwähnt.

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Ausgewählte Publikationen

1. Ueber chronische Gastritis. Münch Med Wochenschr 1929; 76: 220 – 222
2. Erfahrungen mit dem flexiblen Gastroskop nach Wolf-Schindler. Münch Med Wochenschr 1932; 79: 1269 - 1270.
3. Die Entzündung des Magens. Leipzig 1934.
4. Lehrbuch der Gastroskopie. Leipzig 1935.
5. Lehrbuch der Verdauungskrankheiten. Stuttgart 1949.

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