1971

26. Jahrestagung

Stuttgart, 7. – 9. Oktober 1971

Gustav Adolf Martini

Marburg

* 1916 in Marienhöhe/Westpreußen

† 2007 in Hamburg

Vita

Gustav Adolf Martini wurde 1945 Assistenzarzt in der Medizinischen Universitätsklinik Hamburg–Eppendorf bei Hans H. Berg, der Martini für sein Verständnis von klinischer Medizin, analytischem Denken und wissenschaftlicher Arbeit nachhaltig prägte. In Hamburg wurde er 1953 habilitiert. Ein Studienaufenthalt am Hammersmith Hospital, London, bei Sheila Sherlock fundierte Martinis Interesse an der wissenschaftlichen Hepatologie. Bis 1963 war er als Oberarzt in der Hamburger Klinik tätig. 1963 wurde Martini auf den Lehrstuhl für Innere Medizin und als Direktor der Medizinischen Klinik der Philipps-Universität Marburg berufen. An der Marburger Klinik, der er bis zu seiner Emeritierung 1981 vorstand, entstand ein profilierter gastroenterologischer Schwerpunkt. Zu Martinis Schülern zählen Wolfgang Dölle, Georg Strohmeyer, Ernst-Otto Riecken und Harald Goebell, die seit den 1970er Jahren eigenständige Kliniken für Gastroenterologie und Hepatologie in Tübingen, Düsseldorf, Berlin und Essen leiteten. Martini war ein Vermittler der hepatologischen Wissenschaftsgemeinschaft. 1966 begründete er in Marburg die European Association for the Study of the Liver (EASL). Seit 1957 war er als Nachfolger H. W. Bansis Schriftführer der DGVS.

Mehr

Wissenschaftliche Schwerpunkte

Martinis Schwerpunkt war die Hepatologie. Frühzeitig beschäftigte er sich mit Fragen der akuten und chronischen Hepatitis und deren nosologischer Einordnung. Im Zentrum seines Interesses standen der Leber- und Eiweiß- sowie der Elektrolytstoffwechsel bei der Leberzirrhose. In London arbeitete er zur Bakterienbesiedlung des Darmes bei chronischen Leberkrankheiten im Zusammenhang mit der porto-systemischen Encephalopathie. In den 1960er Jahren etablierte er in „Der Internist“ in den jährlichen Dezemberheften Beiträge mit dem Titel „Was ist gesichert in der Diagnostik und Therapie“ internistischer Erkrankungen, in dem Vorgehensweisen kritisch hinterfragt wurden. 1967 hatte er in der Marburger Klinik medizinisch und organisatorisch das Problem einer zunächst ungeklärten, vielfach tödlich verlaufenden Viruserkrankung zu lösen. Gemeinsam mit Virologen und Hygienikern wurde die Genese dieser Erkrankung (Marburg Virus Disease) aufgeklärt.

Mehr

Entwicklung der Gesellschaft während der Präsidentschaft

Die Tagung erfolgte gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Gastroenterologie. Fortschrittsberichte fassten den aktuellen Wissensstand zusammen. Erstmals traf ein Programmkomitee eine anonyme Auswahl der eingereichten Vortragsmanuskripte. Martini konnte über eine Zunahme der Mitgliederzahl berichten, insbesondere den Neueintritt jüngerer Gastroenterologen.

Mehr

Ausgewählte Publikationen

1. mit J. Weidemann. Über experimentelle Aktivierung der alkalischen Serumphosphatase. Z ges exp Med 1952; 119: 89 – 110.
2. mit G. Strohmeyer u. W. Dölle. Was ist gesichert in der Therapie der Leberkrankheiten Internist 1969; 10: 456 – 464.
3. mit F G Lehmann. Alpha 1-fetoprotein. isolation and crystallization from human plasma. Clin Chim Acta 1971; 33: 197 – 206.
4. mit Ch. Bode, Metabolic changes induced by alcohol. Berlin – Heidelberg 1971.
5. mit R. Siegert, Marburg virus disease. Berlin-Heidelberg- New York 1971.
6. als Hg. Medizin und Gesellschaft. Ethische Verantwortung und Ärztliches Handeln. Stuttgart-Frankfurt 1982.

Mehr