1978

33. Jahrestagung

Hamburg, 28. – 30. September 1978

Gerhard Seifert

Hamburg

* 1921 in Leipzig

† 2014 in Hamburg

Vita

Gerhard Seifert absolvierte sein Medizinstudium während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Er begann seine Ausbildung 1949 im Institut für Anatomie der Universität Leipzig und wechselte Ende des gleichen Jahres in das Institut für Pathologie zu Heinrich Bredt, der ihm in den nachfolgenden Jahren zum Mentor wurde. 1955 wurde Seifert Prosektor in Leipzig und im gleichen Jahr habilitiert. 1958 verließ er die DDR und wurde Oberarzt am Institut für Pathologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bei Willy Giese. 1965 wurde Seifert auf den Lehrstuhl für Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie der Universität Hamburg berufen; das Institut leitete er bis zu seiner Emeritierung 1988.
Während seiner Tätigkeit wurde das Hamburger Institut für Pathologie wegen seiner wissenschaftlichen Projekte und der umfänglichen Diagnostik weithin bekannt. Die Verdienste Seiferts wurden durch vielfache Ehrenmitgliedschaften, national und international, gewürdigt. Nach der Emeritierung war Seifert über lange Zeit in verschiedenen Institutionen aktiv, so war er Präsident der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften in Hamburg.

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Wissenschaftliche Schwerpunkte

Den Schwerpunkt von Seiferts wissenschaftlichem Werk bildete die Pathologie des Pankreas, der Mundhöhle und vor allem der Speicheldrüsen. Wegweisend war das von Seifert initiierte Speicheldrüsenregister, das er seit 1965 als DFG-gefördertes und von der Deutschen Gesellschaft für Pathologie unterstütztes Projekt in Hamburg etablierte und in dem bis 1988 etwa 15000 Speicheldrüsenfälle, darunter über 6000 Speicheldrüsentumorerkrankungen dokumentiert wurden. Diese umfangreichen Befunde des Registers wurden zur Grundlage umfassender Forschungsarbeiten über Speicheldrüsenerkrankungen. Das Hamburger Speicheldrüsen-Register wurde später Referenzzentrum der WHO für den Band „Histological Classification of Salivary Gland Tumours“, der in Kooperation mit internationalen Pathologen 1991 erschien.

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Entwicklung der Gesellschaft während der Präsidentschaft

Gerhard Seifert war der zweite Pathologe, der in den 1970er Jahren Kongress - Vorsitzender der DGVS wurde. Die Relevanz der Biopsiediagnostik im Rahmen der Endoskopie und der Wille zur interdisziplinären Arbeit spiegelte sich in der personellen Repräsentation der DGVS wider. Die Zahl der DGVS-Mitglieder bewegte sich Ende der 1970er Jahre allmählich in Richtung 500. An den Universitätskliniken waren zunehmend eigenständige Kliniken für Gastroenterologie und Hepatologie entstanden. Die Endoskopie entwickelte sich mit rascher Dynamik fort, die Einführung der Ultraschalldiagnostik und der Computertomographie erlaubte erstmals nicht invasive Einblicke in das Abdomen.

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Ausgewählte Publikationen

1. Zur Pathologie der Cytomegalie. Einschlußkörperchenkrankheit, Speicheldrüsenviruskrankheit. Virchows Arch 1954; 325: 596 – 623.
2. Pathologie des kindlichen Pankreas. Leipzig 1956.
3. Das morphologische Bild der chronischen Pankreatitis. Langenbecks Arch Chir 1966; 316: 264 – 276.
4. Pathologie der Speicheldrüsen, Band 1 der Speziellen pathologischen Anatomie, W. Doerr, G. Seifert, E. Uehlinger (Hg.), Berlin-Heidelberg-New York 1966. – In 2. Aufl. unter dem Titel Oralpathologie I / Pathologie der Speicheldrüsen 1996 neu herausgegeben.

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