1993

48. Jahrestagung der DGVS

Frankfurt, 22. – 25. September 1993

Wolfgang Caspary

Frankfurt

* 1940 in Frankfurt

Vita

Wolfgang Caspary studierte Medizin in Freiburg, München und Wien, legte sein Staatsexamen 1965 in Freiburg ab und wurde dort 1966 mit einer Arbeit über die Eisenresorption an der Medizinischen Klinik Ludwig Heilmeyers promoviert. Danach arbeitete er 1967 als Intern in den USA und von 1968-1969 als Research Fellow in intestinaler Physiologie an der Rutgers University in New Jersey bei Prof. Robert K. Crane, dem Inaugurator der Natriumgradientenhypothese des Zuckertransports im Darm.
Es folgte ab 1969-1979 die Ausbildung zum Internisten und Gastroenterologen an der Medizinischen Universitätsklinik in Göttingen unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Creutzfeldt. Dort wurde er 1973 Facharzt für Innere Medizin, 1976 Gastroenterologe. 1974 erfolgte die Habilitation und Ernennung zum klinischen Oberarzt.1977 erhielt Caspary den Thannhauserpreis der DGVS für seine Arbeiten zur enteralen Hyperoxalurie. 1980 wurde er zum C3-Professor in Göttingen ernannt, entschied sich jedoch dafür ab 1979 bis 1987 eine Chefarztposition an der Medizinischen Klinik 2 des Stadtkrankenhauses Hanau anzunehmen. 1987 bekam er den Ruf der Johann Wolfgang Goethe -Universität Frankfurt auf den Lehrstuhl für Innere Medizin und Gastroenterologie als Nachfolger von Meinhard Classen. Er leitete dort die Medizinische Klinik I mit den Schwerpunkten Gastroenterologie, Endokrinologie und Pneumologie und war von 2000-2006 Direktor des Zentrums der Inneren Medizin.

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Wissenschaftliche Schwerpunkte

Ausgehend von seinen physiologischen Arbeiten in den USA widmete sich Caspary der Resorption von Nährstoffen aus dem Darm und der Malabsorption. Sein Interesse bestand in der Resorptionsverzögerung als therapeutischem Prinzip. So wies er erstmals die Kohlenhydratresorptionshemmung der Acarbose beim Menschen nach. Im diagnostischen Bereich kultivierte er in Deutschland mit Bernhard Lembcke die H2.- Atemtests und den Einsatz stabiler Isotope in der Gastroenterologie und Hepatologie, u.a. 13C-Atemtests. Er arbeitete über intestinale Permeabilität, Mechanismen der Diarrhö. Klinisch standen Darmkrankheiten wie Zöliakie, M. Crohn und Colitis ulcerosa im Vordergrund seines Interesses sowie die enterale Ernährung. Die Endoskopie lag in den Händen seiner tüchtigen Oberärzte, von denen Michael Jung, Till Wehrmann und Hans Seifert jeweils endoskopische Kongresspräsidenten der DGVS waren Caspary war fast 20 Jahre Vorsitzender des Ärztlichen Beirats der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) und ist Vorsitzender der Stiftung der DCCV. Er ist Ehrenmitglied der DGVS, der Mitteldeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, der Tschechischen Gastroenterologen, der DZG und der Rhein-Main-AG für Gastroenterologie, die er fast 20 Jahre geleitet hat.

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Entwicklung der Gesellschaft während der Präsidentschaft

Caspary war 1977 Kongressekretär des 32. DGVS-Kongresses in Göttingen unter dem damaligen Präsidenten Werner Creutzfeldt und wurde als jüngstes Mitglied in den Beirat der DGVS gewählt, dem er – bis auf 2 Jahre – kontinuierlich bis kurz vor seiner Pensionierung 2007 angehörte. Bereits 1977 waren sein damaliger Chef Creutzfeldt und er darum bemüht, möglichst viele Chirurgen für den Kongress und die DGVS zu gewinnen. Wichtige Themen wurden im Hauptprogramm jeweils vom Chirurgen und Internisten abgehandelt. Schon damals stand die bariatrische Chirurgie im Hauptprogramm und wurde noch belächelt.
Von 1984-1991 war Caspary als Nachfolger von Meinhard Classen Schriftführer der DGVS und damit wichtiger Ansprechpartner aller Präsidenten dieser Zeit. Sehr viel profitierte Caspary damals von der großen Erfahrung des langjährigen Schatzmeisters Harald Henning.
Große Bedeutung hatten in dieser Zeit die Forschungsstipendien – 3, 6 und 12 Monate – der Fa. Asche, die von den wissenschaftlich ambitionierten Gastroenterologen heiß begehrt waren. Viele dieser Stipendiaten haben heute noch gastroenterologische Lehrstühle inne. Im Rahmen der Wiedervereinigung fuhr Caspary mit dem damaligen Präsidenten Harald Goebell nach Halle, um mit den dortigen Gastroenterologen Gespräche zu führen, die dazu beitrugen, dass sie sich der DGVS anschlossen. So kamen sehr viele zur 45. Jahrestagung 1990 nach Essen. Später war Caspary wesentlich an der Gründung der Mitteldeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie beteiligt.
Im wissenschaftlichen Teil seines Kongresses 1993 in Frankfurt gab Caspary molekularbiologischen Themen einen wichtigen Platz. In Frankfurt wurde 1993 der erste Postgraduiertenkurs der DGVS durchgeführt, der bis heute einen festen Platz bei jedem DGVS-Kongress hat. Caspary ist noch heute stolz darauf, dass der gesamte Kongress 1993 ohne Vor- oder Nebensymposien der Industrie durchgeführt werden konnte.
Da Caspary schon frühzeitig die Fallpauschalenumstellung in der Krankenhausfinanzierung kommen sah, ließ er den Hauptvortrag in der Messe Frankfurt den damals führenden Krankenhausökonomen, Prof. Günter Neubauer, halten, damit die Gastroenterologen frühzeitig erfahren sollten, was sie in kommenden Jahren erwarten würde. Später war die Kodierung ein Zentralpunkt bei der Kommission für Berufsfragen und mündete in den heute noch existierenden Kodierleitfaden. Caspary initiierte 1996 in Frankfurt die Erstellung der ersten deutschen Konsensus-Leitlinie der DGVS über die Diagnostik und Therapie der Helicobacter pylori-Infektion, die nach 13 Jahren 2009 durch eine umfangreichere klassische S3-Leitlinie ersetzt wurde. .
Caspary war von 1991 als Nachfolger Georg Strohmeyers bis 2004 Herausgeber der Zeitschrift für Gastroenterologie zunächst in Zusammenarbeit mit dem Demeter Verlag, später mit dem G. Thieme Verlag. Besonderen Wert legte er darauf, dass gute Originalarbeiten in der ZFG publiziert werden. Nach 13 Jahren übergab er dieses Amt an Guido Adler.

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Ausgewählte Publikationen

Caspary WF: Sucrose malabsorption in man after ingestion of α-glucosidase inhibitor. Lancet 1978, 1, 1231-1233

Caspary WF, Kalisch H: Effect of α-glucosidase inhibition on intestinal absorption of sucrose, water and sodium in man. Gut 1979, 20, 750-755

Caspary WF, Arnold R, Bayerdörffer E et al. Diagnostik und Therapie der Helicobacter pylori-Infektion. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Z Gastroenterologie 1996, 34, 392-401

Caspary WF, Frühmorgen P, Rosien U el al, Kodierleitfaden Gastroenterologie – Ein Leitfaden für die Praxis. Z Gastroenterologie 2003, 41, 207-223

Caspary WF, Mössner J, Stein J: Therapie gastroenterologischer Krankheiten. Heidelberg, Springer Medizin Verlag 2005

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