2007

62. Jahrestagung

Bochum, 12. - 15. September 2007

Wolff-H. Schmiegel

Bochum

* 1951 in Wanne-Eickel

Vita

Wolff Schmiegel studierte von 1970-1977 Medizin in Löwen, Bochum und Bonn und promovierte 1978 an der Universität Essen. Er arbeitet als wissenschaftlicher Assistent in die Klinik von Heinrich Bartelheimer, danach bei Heiner Greten am UKE Hamburg, wo er auch seine Weiterbildungen zum Arzt für Innere Medizin, für Gastroenterologie, für Endokrinologie und für Hämatologie/Internistische Onkologie absolvierte. Nach Habilitation und venia legendi für das Fach Innere Medizin wurde er 1993 auf eine C3-Professur Innere Medizin, Gastroenterologie-Hepatologie sowie Gastroenterologische Onkologie durch die Universität Hamburg berufen. Im selben Jahr wechselte er an die Ruhr-Universität Bochum als Lehrstuhlinhaber für Innere Medizin und Direktor der Medizinischen Universitätsklinik am Knappschaftskrankenhaus, dem er viele Jahre auch als Ärztlicher Direktor vorstand. Seit 2002 ist er gleichzeitig Direktor der Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie des Universitätsklinikums Bergmannsheil der Ruhr-Universität Bochum.

Wolff Schmiegel engagiert sich neben seiner universitären Tätigkeit über viele Jahre für die Gastroenterologie und die DGVS. Von 1993 bis 2000 rückte er als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Gastroenterologische Onkologie die Medikamentöse Tumortherapie ins Interesse der Gastroenterologen. Neben seinem langjährigen Engagement für die DGVS war Wolff Schmiegel Mitglied im Medizinischen Beirat der Krebshilfe, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer (2000-2007), im Senatsausschuss der DFG für Sonderforschungsbereiche und im Lenkungsausschuss des Nationalen Genom-Forschungsnetzes (2003-2007). Seit 2008 ist Wolff Schmiegel Vorstandsmitglied der Deutschen Krebsgesellschaft, war 2010 ihr Kongresspräsident und leitet die DKG seit 2012 als Präsident. Von 2009 bis 2012 war er Generalsekretär der von ihm initiierten European Society of Digestive Oncology (ESDO) sowie Mitglied des Scientific Committee der UEG.

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Wissenschaftliche Schwerpunkte

Geprägt durch eine grundlagenwissenschaftliche Ausbildung an der Abteilung für Klinische Immunologie des UKE (1978-81) forschte Wolff Schmiegel zunächst an tumorimmunologischen Fragestellungen und entwickelte tumorspezifische, monoklonale Antikörper gegen Epitope im Pankreas- und Kolonkarzinom. Seine Arbeitsgruppe leistete Pionierarbeit beim Einsatz von gegen den EGF-Rezeptor gerichteten, spezifischen Antikörpern zunächst im Tierversuch und nachfolgend auch im ersten klinischen Einsatz bei Pankreaskarzinompatienten. In der klinischen Krebsforschung liegen seine Forschungsschwerpunkte bei Therapiestudien für Patienten mit gastrointestinalen Tumoren und Untersuchungen zur Verbesserung der Dickdarmkrebs-Früherkennung sowie der Erkennung von Risikopatienten (Zentrum für familiär vererbten Darmkrebs der Deutschen Krebshilfe). Ein sehr translationaler Schwerpunkt sind die Studien der Arbeitsgruppe Schmiegel zu Identifizierung von prognostischen und prädiktiven Biomarkern für gastroenterologische Tumorerkrankungen sowie deren klinischer Einsatz

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Entwicklungen der Gesellschaft

Durch seine Tätigkeit im Vorstand der DGVS von 1998 bis 2009, zunächst als stellvertretender Sekretär, dann als Sekretär und Präsident prägte Wolff Schmiegel die Entwicklung der DGVS nachhaltig. Die unter seiner Leitung im Jahr 1999 erste, von der DGVS zu einer malignen Erkrankung erstellte Leitlinie (S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom), und das unter seiner Federführung 2002 für den Gemeinsamen Bundesausschluss erstellte Gutachten zum Kolorektalen Karzinom wurden zur Grundlage für die Einführung der Dickdarmkrebs-Vorsorge und der Darmkrebs–Früherkennungskoloskopie in Deutschland. Dies hat nicht nur die internationale Führungsrolle des Deutschen Gesundheitssystems in der Darmkrebsvorsorge begründet, sondern auch die Patientenversorgung und das Tätigkeitsprofil von Gastroenterologen (vor allem in der Niederlassung) nachhaltig über Jahre geprägt. Unter der Mentorenschaft von Wolff Schmiegel hat die DGVS inzwischen S3 Leitlinien zu allen wichtigen maligen Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes, der Leber und des Pankreas erarbeitet und mit Hilfe der Arbeitsgemeinschaft Gastroenterologische Onkologie auch einen so hohen Standard von klinischer Expertise in der medikamentösen Tumortherapie erreicht, das ihr dieses Behandlungsfeld Gastroenterologen heute von keiner anderen Fachgruppe mehr streitig gemacht wird.
Von 2012-2014 war Wolff Schmiegel darüber hinaus Mitglied im Nationalen Krebsplan und Sprecher für das Handlungsfeld der Qualitätssichernden Maßnahmen und Mitglied im gemeinsamen politischen Umsetzungskreis (GPUK). Auch die feste Verankerung von Gastroenterologischen Fachabteilungen an Deutschen Krankenhäusern in den Darmkrebszentren der DKG und bei den Audits von Onkozert ist eine Initiative Wolff Schmiegel‘s der die Bedeutung der Organonkologie für Gastroenterologische Tumorerkrankungen erst im Bewusstsein der DGVS Mitglieder, oftmals gegen erheblich Widerstände, verankert hat.
In seine Amtszeit fällt auch die zunehmende Professionalisierung der DGVS, die Gründung des Gastro-Hauses in Berlin und die Bestellung einer hauptamtlichen Geschäftsführung. Auf seiner Initiative beruht die systematische Organisation der DGVS-Arbeitsgemeinschaften, die heute alle wichtigen wissenschaftlichen Felder und klinischen Behandlungsgebiete der Gastroenterologie abdecken. Um den wissenschaftlichen Austausch auch außerhalb der Jahrestagungen zu fördern, initiierte Wolff Schmiegel die jährlichen, monothematischen DGVS Spring Conferences, die erstmals 2007 stattfanden.
Bei der von Wolff Schmiegel 2007 in Bochum ausgerichteten DGVS Jahrestagung stand die interdisziplinäre thematische Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie (heute DGAV) und der Sektion Endoskopie der DGVS im Vordergrund.

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Publikationen (Auswahl)

Schmiegel W, Reinacher-Schick A, Arnold D, Kubicka S, Freier W, Dietrich G, Geißler M, Hegewisch-Becker S, Tannapfel A, Pohl M, Hinke A, Schmoll HJ, Graeven U. Capecitabine/irinotecan or capecitabine/oxaliplatin in combination with bevacizumab is effective and safe as first-line therapy for metastatic colorectal cancer: a randomized phase II study of the AIO colorectal study group. Ann Oncol. 2013 Jun;24(6):1580-7.

Engel C, Loeffler M, Steinke V, Rahner N, Holinski-Feder E, Dietmaier W, Schackert HK, Goergens H, von Knebel Doeberitz M, Goecke TO, Schmiegel W, Buettner R, Moeslein G, Letteboer TG, Gómez García E, Hes FJ, Hoogerbrugge N, Menko FH, van Os TA, Sijmons RH, Wagner A, Kluijt I, Propping P, Vasen HF. Risks of less common cancers in proven mutation carriers with lynch syndrome.
J Clin Oncol. 2012 Dec 10;30(35):4409-15

Pox CP, Altenhofen L, Brenner H, Theilmeier A, Von Stillfried D, Schmiegel W. Efficacy of a nationwide screening colonoscopy program for colorectal cancer. Gastroenterology. 2012 Jun;142(7):1460-7.e2

Mölleken C, Sitek B, Henkel C, Poschmann G, Sipos B, Wiese S, Warscheid B, Broelsch C, Reiser M, Friedman SL, Tornøe I, Schlosser A, Klöppel G, Schmiegel W, Meyer HE, Holmskov U, Stühler K. Detection of novel biomarkers of liver cirrhosis by proteomic analysis. Hepatology. 2009 Apr;49(4):1257-66.

Schmiegel W, Schmielau J, Henne-Bruns D, Juhl H, Roeder C, Buggisch P, Onur A, Kremer B, Kalthoff H, Jensen EV. Cytokine-mediated enhancement of epidermal growth factor receptor expression provides an immunological approach to the therapy of pancreatic cancer.Proc Natl Acad Sci U S A. 1997 Nov 11;94(23):12622-6.

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